Antibabyspritze für den Mann
Das Konzept der Verhütungsspritze speziell für Männer besteht bereits seit über 30 Jahren. Bisher schaffte es jedoch kein Präparat in die Verkaufsräume der Apotheken. Selbst eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die im Jahr 2009 startete, ist nun gescheitert. Bereits im März musste die Studie gestoppt werden, da sich bei zehn Prozent der insgesamt 400 Testpersonen Nebenwirkungen zeigten.
Neun von zehn Männer vertrugen die Antibabyspritze
Vor allem ältere Familienväter zeigten nach der Verabreichung der Verhütungsspritze Symptome wie Akne, Gewichtszunahme und Depressionen. Bei den übrigen 90 Prozent der Teilnehmer hat die Spritze funktioniert. Auch mehrere nationale Studien, die vor Beginn der WHO-Studie durchgeführt wurden, verliefen durchweg positiv. Trotzdem waren die Ergebnisse für die Forscher nicht befriedigend. Der Anteil der Unverträglichkeit sei ihrer Meinung nach einfach zu hoch. Die Spritze wird in der bisherigen Zusammensetzung nicht weiter verfolgt.
Alle acht Wochen wurde den Männern die Verhütungsspritze verabreicht. Die Zufuhr von Testosteron bewirkte die Einstellung der körpereigenen Testosteronproduktion. Dadurch erzeugten die Hoden keinerlei Samenzellen mehr. Die im Wirkstoff enthaltenen Substanzen waren bereits zugelassen und dienten in der Vergangenheit bereits bei der Behandlung diverser anderer Beschwerden. Dadurch konnte das Zulassungsverfahren umgangen werden, welches die Tests sonst um eine unbestimmte Zeit verschoben hätten.
Pharmaindustrie bleibt skeptisch
Im Jahr 2007 ist die Forschung an einer Hormonspritze für Männer durch die Bayer AG eingestellt worden. Eine Marktchance sieht der Konzern im nächsten Jahrzehnt nicht. Diese Meinung teilen 43 weitere Pharmafirmen, welche die Forschung an einer Antibabyspritze für Männer nicht weiterverfolgen.
Trotzdem sehen einige Reproduktionsmediziner weiterhin gute Chancen für die Antibabyspritze. Sie sind zwar gezwungen von vorne zu beginnen, jedoch gibt es einige erfolgreiche Vorbilder, welche in den letzten Jahren große Fortschritte beim Thema Verhütungsmittel für Männer gemacht haben.
Eine in China durchgeführte Studie lässt hoffen. Dort wurde an über 1000 Männern eine reine Testosteron-Spritze verabreicht – und dies mit Erfolg. Seit 2009 liegen die Ergebnisse vor und auch die Marktchancen werden von den chinesischen Forschern positiv eingeschätzt. So wird erwartet, dass das Verhütungsmittel bereits in ungefähr fünf Jahren auf den Markt kommen soll.
Auch amerikanische Forscher suchen fleißig nach einem Mittel. So soll bereits in diesem Jahr ein Mittel an Mäusen getestet werden, welches die Bildung der Spermien bei Tieren hemmt.
Die Forscher sind der Ansicht, dass die Antibabyspritze auf keinen Fall die hormonelle Verhütung für die Frau ablösen oder gar verdrängen soll. Stattdessen gibt sie Paaren die Chance, sich jegliche Verantwortung in Bezug auf das Thema Verhütungsmittel zu teilen.

