Für viele ein lukrativer Nebenverdienst von zu Hause – in Live Cam Communities sich gegen Bezahlung vor der Webcam ausziehen. Nur wie entstehen und funktionieren diese Erotik-Communities und was kann man verdienen?
Website-Betreiber stellen eine Internet-Plattform zur Verfügung, auf der sog. Sender ihre Webcam anmelden und visuell per Chat mit Community-Mitgliedern kommunizieren. Profile und Fotos unzähliger Webcam-Girls, einiger Paaren oder auch weniger Männern, zeigen dem User sofort wissenswerte Details an. Das Community-Mitglied loggt sich ein und kauft eine Zeitspanne, in der es die Sender sehen, und mit ihnen chatten möchte.
Da die eingeloggten Kunden zumeist männlich sind, haben Webcam-Girls als Senderinnen bessere Chancen angeklickt zu werden, als beispielsweise Männer. In einigen Communities sind Preise vorgegeben, andere dagegen überlassen die Preisgestaltung der Senderin. Preisspannen von unter einem Euro bis zu vier Euro pro Minute sind möglich. Der Betreiber, der die technischen Voraussetzungen liefert, behält 60% bis 80%. Der Rest wird der Senderin ausbezahlt. Das hört sich an, als würde der Betreiber einen hohen Gewinn einfahren und die Senderin fast nichts bekommen. Bedenkt man aber den unterschiedlichen Aufwand zwischen Betreiber und Senderin, sieht das schon etwas anders aus. Um eine Community bekannt zu machen, muss sie bei den Suchmaschinen ganz oben stehen, was Online-Marketing Maßnahmen nahezu unumgänglich macht. Seiten müssen zum Beispiel professionell suchmaschinenoptimiert werden, Paid Listings kosten zusätzlich Geld. Fast alle Betreiber müssen provisionsbezogene Affiliate-Programme und Bannerwerbung einsetzen, um qualitativ hochwertigen Traffic zu erzeugen.
Die Senderin kann ihren eigenen Verdienst steuern, indem sie festlegt, wie lange sie online sein will und wie weit sie auf Kundenwünsche eingeht. Besondere Wünsche sind häufig etwas teuerer. Die Kosten für eine Senderin entstehen durch die Investition in eine hochwertige Webcam und dem Faktor Zeit; einen Computer haben die meisten ohnehin.
Die Möglichkeiten des Eigenmarketings sind begrenzt. Dazu gehören neben einem ansprechenden und aussagekräftigen Profil, gute Fotos und evtl. ein Vorschauvideo, sowie eine Verlinkung zu einer eigenen Website. Ein realistisches Beispiel: bezahlt der Kunde pro Minute knapp zwei Euro und die Senderin hat eine durchschnittliche Haltezeit von 15 Minuten pro Kunde, so verdient sie bei 30% Provision neun Euro in dieser Zeitspanne. Wer bestimmte Vorlieben bedient oder auf den Kunden eingeht, erhöht seine Haltezeit und den eigenen Verdienst schnell um das Doppelte. Senderinnen, die über eine Agentur in Live Cam Communities angemeldet sind, verdienen meist 10% weniger, werden dann aber oft in verschiedenen Communities auf den wichtigen ersten Seiten registriert, und können auf einen Support zurückgreifen.